Parodontose ist zwar der umgangssprachlich noch am meisten verwendete Begriff, richtigerweise heißt es Parodontitis, wobei die Endung –itis für einen entzündlichen Prozeß steht, um den es sich bei dieser Erkrankung hauptsächlich handelt. Im Prinzip ist jeweils der Abbau des zahnumgebenden Knochens gemeint, welcher eine Folge der Entzündungsreaktionen im Zahnhalteapparat (Parodontium) als Reaktion des immunsystems auf die bakteriellen Aktivitäten im Zahnbelag darstellt.
Falsch, wenn auch recht häufig anzutreffen, sind die Schreibweisen „Paradontitis“ und „Paradontose“.
Die Parodontitis (altgr. παρά ,neben‘ und ὀδούς ,Zahn‘) ist eine bakteriell bedingte Entzündung, die sich in einer weitgehend irreversiblen Zerstörung des Zahnhalteapparates (Parodontium) zeigt.
Das Problem:
Bei der Parodontitis handelt es sich um eine schleichende und chronische Entzündung des Zahnhaltekomplex, deren Frühsymptome von den Patienten oft fehlgedeutet oder nicht ernstgenommen werden. Es beginnt mit Zahnstein, welcher ohne Gegenmaßnahmen am Zahn entlang in die Tiefe weiterwächst und dabei den Zahnhalteapparat schädigt, indem der Zahnstein wie eine Trennschicht zwischen Zahnfleisch und Zahn wirkt. Dadurch entstehen Zahnfleischtaschen, denn das Zahnfleisch kann nicht mehr fest am Zahn halten, in die sich wiederum Speisereste und Beläge festsetzen, auf denen sich die Bakterien, welche die entzündliche Reaktion auslösen, vermehren. Dagegen kämpft das Immunsystem. Im Rahmen dieser Abwehrreaktion wird leider der körpereigene Knochen um die Zähne mit abgebaut, was zu den bekannten Spätsymptomen der Zahnlockerung und blutendem Zahnfleisch führt. Lockere Zähne sind also schon ein Zeichen für eine sehr weit fortgeschrittene Parodontitis und müssen unbedingt behandelt werden, weil sonst der Zahnverlust drohen kann.
Eine Gingivitis stellt eine bakterielle Zahnfleischentzündung dar, die noch keinen Abbau des darunter liegenden Knochens bewirkt hat.
Die Gefahr einer unbehandelten Gingivitis:
Wenn die beginnende Zahnfleischentzündung nicht behandelt wird, kann sich unter ungünstigen Umständen eine entzündliche Mitbeteiligung des Knochens entwickeln.
Dies würde sich dann in einem Knochenabbau um den oder die Zähne zeigen, wobei bei man dann von einer Parodontitis sprechen würde. Ein Zeichen für eine Gingivitis wäre z.B. blutendes Zahnfleisch beim Zähneputzen. Diese Entzündung sollte durch entsprechende Gegenmaßnahmen wie professionellen Zahnreinigungen im Rahmen von prophylaktischen Maßnahmen und Umstellung der Putzgewohnheiten bekämpft werden. Es ist für den Patienten nicht immer möglich, zu erkennen, ob es sich noch um eine Gingivitis handelt oder schon eine Parodontitis vorliegt.
Obwohl das Immunsystem und die Anwesenheit bestimmter Bakterien die Hauptrolle bei der Entstehung einer Parodontitis spielen, gibt es einige Risikofaktoren, die die parodontale Gesundheit beeinflussen:
schlechte oder falsche Mundhygiene mit Zahnbelag (Plaque) und Zahnstein
genetische Prädisposition, d.h. erbliche Veranlagung:. In den letzten Jahren wurde durch verschiedene Fall-Studien , aber auch in bevölkerungsrepräsentativen Studien der bis dato noch unbekannte große Einfluss genetischer Prädisposition (erlichen Neigung) für das Krankheitsbild der Parodontitis erwiesen. Dies bedeutet, daß Patienten mit dieser noch nicht beeinflussbaren erlichen Neigung ein höheres Risiko für Knochenverlust haben wie Patienten ohne dieses Risiko. Dies gilt übrigens auch für Implantate. Um dieses Risisko abschätzen zu können, gibt es glücklicherweise inzwischen Gentests.
Tabakkonsum. Raucher haben verglichen mit Nichtrauchern ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln, noch schlimmer ist die Kombination mit einer erhöhten erblichen Neigung
Diabetes mellitus (insbesondere wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist). Dieser Aspekt des Diabetes mellitus ist schon seit längerem bekannt und in verschiedenen Studienbelegt worden.
Lebenspartner mit bestehender Parodontitis. Eine Ansteckung ist auch von Mutter zu Kind möglich (wegen der Bakterienübertragungen).
Schwangerschaft. Durch Hormonumstellung lockert das Bindegewebe auf, das Zahnfleisch schwillt an und Bakterien können leichter in die Tiefe vordringen.
offene Zahnkaries
Mundatmung
Bruxismus (zumeist stressbedingtes Zähneknirschen), was durch die verstärkte mechanische Belastung der Zähne und des Zahnhalteapparates eine bakterielle Infektion am Zahnfleischrand begünstigen kann.
allgemeine Abwehrschwäche, insbesondere „immun-supprimierte“ Individuen (während oder nach Chemo-Therapie, Transplantations-Patienten, HIV-Erkrankte, etc.)
unausgewogene Ernährung. Früher spielte Vitaminmangel eine große Rolle (Skorbut).
ungünstig lokalisierte Piercings im Mundraum (Lippe, Lippenbändchen, Zunge) durch die mechnische Reizung
Dabei handelt es sich um eine perfekte Zahnreinigung unter Entfernung der harten und weichen Beläge auch in den Zwischenräumen, die mit einer Komplettpolitur und Fluorversiegelung der Zähne endet. je nach Erkrankungsrisiko bei Karies oder Parodontitis wird das Intervall der Reinigungen individuell festgelegt.
Langjährige Studien haben gezeigt, daß Professionelle Zahnreinigungen (PZR) über Jahre und Jahrzehnte der Garant für gesunde Zähne unter Mitarbeit des patienten sind und Neuerkrankungen vermeiden oder dramatisch vermindern.